Der Kuss

Das berühmteste Werk von Gustav Klimt, das zwischen 1907-1908 entstanden ist, gilt heute als Hauptikone der österreichischen Malerei und als perfekte Synthese von Klimts Ästhetik.

Zwischen 1907 und 1908 malte Klimt sein berühmtestes Gemälde: Der Kuss. Ein perfektes Beispiel für den "goldenen Stil", den der Wiener Maler aus den 1903 untersuchten byzantinischen Mosaiken entlehnt hat, ist ein quadratisches Ölgemälde auf einer 180 x 180 cm Leinwand. Der Kuss ist heute zu einer der bekanntesten künstlerischen Ikonen geworden, er gehört sicherlich zu den meist reproduzierten und kommerzialisierten Kunstwerke, wie Botticellis Venere oder Michelangelos David.

In einer ätherischen und abstrakten Umgebung geben sich zwei Liebende einen intensiven Kuss. Die Frau ist mit geschlossenen Augen völlig der verliebten Ekstase ausgeliefert, während der Mann den Kopf seiner Geliebten zart umarmt und sie mit einer schützenden und liebevollen Geste berührt.

Die Absicht des Malers ist es, Eros zu feiern, der in der Lage ist, die Gegensätze zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht zu überwinden. Im Werk tritt diese Antinomie in den knorrigen und sich verjüngenden Händen des Mannes auf, im Gegensatz zum Glanz der durchsichtigen Haut der Frau, aber insbesondere bei der Annahme einer ganz bestimmten visuellen Grammatik: während die Kleidung des Mannes aus vertikalen geometrischen Elementen besteht und eckig, in Schwarz-, Grau- und Weißtönen, ist die Frau in kreisförmigen und spiralförmigen Linien mit weichen und farbenfrohen Formen gekleidet.

Die klare Trennung zwischen den beiden Geschlechtern wird jedoch durch diese goldene Helligkeit überwunden, die die beiden Figuren in Verbindung mit dem Hintergrund einschließt, der in einem Spiel aus Transparenzen und Aufschlüssen die Silhouetten des Liebespaares wiedergibt. Das Thema Kuss war bereits in zwei früheren Werken des Wiener Meisters aufgetaucht, jedoch mit einer entscheidenderen symbolischen Definition: im Beethoven-Fries und in einer der Tafeln, die zur Dekoration des Stoklet-Palastes in Brüssel geschaffen wurden. Das 1908 erstmals in der Kunstschau ausgestellte Werk, war bei Publikum und Kritik sehr erfolgreich und wurde vom österreichischen Staat für die Galerie für Moderne Kunst gekauft.